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Veganer – das nächste Level!

Der Vegetarier an sich stellt ja im Vergleich zum gemeinen Carnivoren schon mal eine Weiterentwicklung dar, die sich in Sachen Humanität und Ethik um gefühlte hundert Prozent über dem geistigen Niveau des Normalbürgers befindet. Ein Level weiter sind da übrigens die Veganer: Sie verzichten gänzlich auf tierische Produkte.

Natürlich muss man, beschäftigt man sich mit diesem Thema, erstmal die gängigen Vorurteile überwinden. Alles Ökö-Freaks. Veganer haben einen an der Waffel. Nichts als aufmerksamkeitsgeile Selbstdarsteller, die sich den Gegebenheiten des Lebens nicht anpassen wollen. Schließlich kann heutzutage niemand überleben, der kein tierisches Eiweiß zu sich nimmt.

Naja. An den Vorurteilen einer Kultur lässt sich am Besten feststellen, wie degeneriert und überfressen diese bereits ist.

Und was in unserem Kulturkreis für Vorbehalte gegen Veganer herumschwirren, könnte man glatt glauben, sich in den 50er Jahren zu befinden. Immer noch! Dabei ist es nur ein kleiner Schritt vom Vegetarier zum Veganer. Nur hier ist für die meisten Menschen unakzeptabel, dass der ethische Aspekt eine noch größere Rolle spielt. Wo ein Vegetarier sagen kann „Hm… ich mag halt kein Fleisch…“ oder „Ich lebe länger!“ wird der Veganer von allen Liebhabern gegrillter und gepökelter Erzeugnisse immer sehr schnell in eine Ecke gedrängt. Auf dieser muss er sich dann mit ethischen Fragen auseinandersetzen, die für ihn selbstverständlich und nicht zwingend Zentrum seiner veganischen Philosophie sind. Klar, dass vielen Veganern eine grundsätzliche Abwehrhaltung innewohnt, wenn sie auf ihre Ernährungsphilosophie angesprochen werden.

Also. Was bedeutet es, Veganer zu sein? Ein Veganer im engeren Sinne ernährt sich nicht von Tierprodukten. Dazu gehören, anders als bei Vegetariern, auch Eier, Butter, Käse, Milch und Gummibärchen (Gelatine kommt vom Rind). Damit fällt ein ganzer Batzen des westlichen Nahrungsangebotes weg, weil sich bei uns viele Bestandteile der Lebensmittel in der einen oder anderen Weise aus tierischen Bestandteilen zusammensetzen.

Ein strenger Veganer achtet weiterhin auch bei der Auswahl seiner Kleidung darauf, keine tierischen Erzeugnisse zu nutzen. So wird er keine Schafswolle, sondern Baumwolle tragen. Echtes Leder wird nicht angezogen, weil es eben Haut von toten Tieren ist.

Die meisten Veganer begründen ihre strikte Ablehnung von allem Töten moralisch und ethisch. Die Konsequenz einiger naturbezogener Religionen ist Veganismus.

Die Argumentation geht meisten in die Richtung, dass der Mensch durch sein Plus an Bewusstsein und seine etablierte Stellung als „Beherrscher der Natur“ ein ebensogroßes Plus an Verantwortung mitgeliefert bekommt. Das bedeutet, wir sind verantwortlich für die Tiere, die wir im Endeffekt als Sklaven für unsere Bedürfnisse züchten.

Diese Sicht der Dinge muss man nicht teilen, man kann sie aber respektieren. Dann wird das nächste Gespräch mit einem Veganer nicht zur hastigen Absteckung der Grenzen zwischen dem Vegetarischen und dem Veganischen Standpunkt, sondern ein interessantes Austausche verschiedener Standpunkte.

Comments

  • Oliver (Vegetarier)

    Written on 2. August 2008

    Hallo susi,
    aber ist denn Gelatine streng genommen auch für „echte Vegetarier“ verboten? Denn es wird ja aus getöteten Tieren gewonnen und es ist nicht wie bei Eiern oder Milch ein Produkt, das vom lebenden Tier stammt.

    Grüsse
    Oliver

    P.S. Ich betreibe auch eine Seite zum Theme Vegetarismus, http://www.veggieportal.de, Du kannst ja mal draufgucken, würde mich freuen!

  • Susi

    Written on 4. August 2008

    Finde die Seite sehr umfangreich und interessant! Vor allem die Veggie-Restaurant-Sammlung fand ich gut.

    Ich glaube, ein „echter Vegetarier“ ist je nach Definition etwas anderes. Ich fand es ja schon für die Veganer schwierig, eine einheitliche Definition zu finden.

    Üüübrigens finde ich Stepharias Artikel dazu sehr gelungen. 😉

  • dasdom

    Written on 1. Dezember 2008

    „Ein strenger Veganer achtet weiterhin auch bei der Auswahl seiner Kleidung darauf, keine tierischen Erzeugnisse zu nutzen. So wird er keine Schafswolle, sondern Baumwolle tragen. Echtes Leder wird nicht angezogen, weil es eben Haut von toten Tieren ist.“
    Das stimmt so nicht. Ein Veganer, der darauf nicht achtet ist kein Veganer. Man ist ja auch nicht ein bisschen schwanger.

  • PETA!

    Written on 15. Dezember 2008

    Ich finde es eine Frechheit sich so über alle „anderen“ zustellen mit Aussagen wie: Der Vegetarier an sich stellt ja im Vergleich zum gemeinen Carnivoren schon mal eine Weiterentwicklung dar, die sich in Sachen Humanität und Ethik um gefühlte hundert Prozent über dem geistigen Niveau des Normalbürgers befindet.
    Nur weil andere Menschen andere Einstellungen haben sind sie noch lange nicht Dumm oder inHuman.

  • C

    Written on 3. August 2009

    Ich habe wirklich einen an der Waffel. Am liebsten terrorisiere ich meine Mitmenschen mit lästigen veganen Fragen. Ich bin nicht vegan aus ethischen Gründen, sondern nur um andere zu ärgern. … Echt jetzt?! Hahahaha, natürlich nicht.

    Toller Schluss! Ich bin vegan, und finde den Austausch zwischen Vegetariern und Veganern sehr wichtig!

    Du hast übrigens immer super schöne Fotos in deinem Blog!

    Ganz liebe Grüße,
    C

  • Shelterfromthestorm

    Written on 30. April 2010

    Ich bin (fast Vegan, ab und an noch ein wenig Käse) seit langer Zeit Vegetarier, würde allerdings in keinem Fall Gelatine zu mir nehmen. Ich kenne auch keinen Vegetarier, der dies tut.

  • Susanne

    Written on 2. Juli 2010

    Ich reihe mich unter die vor mir Kommentierenden, die einzigen „Vegetarier“ (absichtlich in „“) die ich in meinem Bekanntenkreis habe und die Gelatine(hältiges) essen sind die, die auch Fische für pflanzlich halten. Der Rest meiner vegetarisch lebenden Freunde macht es so wie ich und nimmt Agar-Agar oder ähnliches.